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Individuelle, neue Domainendungen

14. Juni 2012 — Optimierung
Individuelle, neue Domainendungen

1.930 individuelle neue Domainendungen dürften laut der gestrigen Veröffentlichung der Internetverwaltung ICANN ab 2013 eingeführt werden. Dadurch wird der begrenzte Domainendungen-Markt auf einen Schlag vervielfacht. Was diese Revolution bei den Domainendungen mit sich bringt und was für Domaininhaber wichtig zu wissen ist, will ich für diese individuellen neuen Domainendungen kurz auflisten.

Domainendungen (Top-Level-Domains) bis 2013

Das System der Top-Level-Domain
Das Domainnamenssystem (DNS) wird von der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) verwaltet und koordiniert. Bei den Haupt-Domainendungen (Top-Level-Domains, also das was – von rechts nach links gelesen – vor dem ersten Punkt steht, vgl. Abbildung oben) gibt es aktuell im Wesentlichen nur zwei Gruppen von Domainendungen:

Generische, allgemeine Domainendungen

Wir kennen alle die generischen Domainendungen wie .com, .net oder .org. 2001 kamen dazu noch .info, .biz oder etwa .name. Diese Domainendungen bestehen in der Regel aus mindestens drei Zeichen und können überwiegend von Jedermann ohne besondere Restriktionen registriert werden. Was viele nicht wissen: betrieben werden diese Domainendungen übrigens mit Ausnahme von .int von Unternehmen aus der Privatwirtschaft.

Länderspezifische Domainendungen

Wir kennen alle die .de oder .at Domainendungen. Das sind länderspezifische Domainendungen. Diese über 200 lokalen Domainendungen richten sich nach dem internationalen Standard zur Kodierung geographischer Einheiten (ISO 3166), welche jedem Land einen Zwei-Buchstaben-Code zuordnet. Mit zwei Ausnahmen lauten die Domainendungen dann genau wie dieser Zwei-Buchstaben-Code. Die erste Ausnahme bildet .eu, da die Europäische Union im engeren Sinne kein geographischer Staat ist. Die zweite Ausnahme mussten die Großritannier durchsetzen, die statt .gb auf .uk bestanden und die ich ab sofort daher vereinigte Königreicher nennen werde. :-)
Hier bestimmen die jeweiligen Länder die Registrierungsvoraussetzungen, die teilweise einen Sitz im jeweiligen Land erfordern.

Neue, individuelle Domainendungen ab 2013

Internet Corporation for Assigned Names and NumbersDa angeblich die Domainendungen immer zu knapp wurden, beschloss die ICANN schon 2008 neue Domainendungen einzuführen. Seit Januar 2012 kann sich jeder um eine individuelle, neue Domainendung bewerben, die wie generische Domainendungen behandelt werden. Die Domainendung kann im Grunde völlig frei gewählt werden. Wesentlicher Haken: die Bewerbungsgebühr für eine neue Domainendung beträgt 185.000 Dollar. Auch sind maximal 50 Bewerbungen pro Einzelbewerber erlaubt, was beispielsweise Google ausschöpft (vgl. aktuelle offizielle Liste, etwa für .google, .docs, .youtube aber auch mit Kultpotential .lol).

Ab dem 13. Juni 2012 will die ICANN innerhalb von zwei Jahren in einem vierstufigen Verfahren entscheiden, welche Bewerbungen dann auch als Domainendung zugelassen werden. Aufgrund der bisherigen Verzögerunfgen und Verschiebungen kann es also noch bis 2014 oder 2015 dauern, die die Masse an neuen Domainendungen tatsächlich nutzbar wird.

Zeitplan der Einführung neuer Domainendungen

Zeitplan der Einführung neuer Domainendungen (via United Domains)

Was bringen also die neuen Domainendungen?!

Sich um neue Domainendung bewerben

Diese Frage stellt sich vor allem den Domainern und großen Organisationen, genau genommen allerdings nur bis gestern.
So haben sich der ADAC um .adac oder das Bundesland Bayern für .bayern beworben. Der Nutzen über eine Reservierung und Sperrung der eigenen Firma oder Marke für andere hinaus erscheint aber überschaubar. Denn etwa BMW oder Microsoft haben genug eigene, passende Domains. Der Umstieg auf .bmw oder .microsoft erscheint überflüssig, zumal sich die Nutzer so schnell nicht daran gewöhnen dürften. Daher haben sich viele bekannte Firmen wie Porsche beispielsweise um keine neue Domeinendung beworben.
Damit sich die Bewerbung lohnt, muss man schon viele Domainnamen gegen Gebühr vergeben können. Kommerziell nutzbare Domainendungen sind daher viel beworben. So gibt es für .shop oder .app sehr viele Bewerbungen. Die Grenze der Refinanzierbarkeit dürfte aber schnell erreicht werden.
Das lässt vermuten, dass mittelfristig trotz der hohen Bewerbergebühren und 25.000 Dollar jährliche Gebühr einige Domainendungen schnell wieder verschwinden oder deren Betreiber wechseln. Rechnet man dann noch die Firmen- bzw. Marken-Domainendungen weg, die sowieso deren Inhabern vorbehalten sind, bleiben nicht mehr so viele lukrative Domainendungen. Die regionalen Domainendungen wie .muenchen etc. sind vielleicht auch noch spannend. Allerdings dürften hier politische Bestrebungen sowie Namensrechte auch viele Domainendungen blockieren.
Bleiben also nur sehr wenige interessante und schon mehr als umkämpfte Domainendungen für Bewerber.

Eine Domain mit neuer Endung registrieren

Viele Domainvermittler bewerben die neuen Domainendungen schon fleißig. So will United Domains schon über 450.000 “Vorbestellungen” gesammelt haben:

Domains mit den neuen Domainendungen vorbestellen

Domains mit den neuen Domainendungen vorbestellen


Das klingt allerdings besser als es letztlich ist. Denn erstens ist fraglich, ob man die Domainendung überhaupt als Normalnutzer registrieren kann und wer dann zuerst zum Zug kommt, steht auf einem ganz anderen Blatt. Für die Anbieter wie oben (gibt viele, ist nur ein Beispiel) lohnt es sich aber auf jeden Fall.
Die für uns entscheidende Frage lautet also:

lohnt sich denn eine Domain mit einer neuen Domainendung wie .shop oder .web überhaupt?

Das kommt darauf an. Aus meiner Sicht grundsätzlich kurz- und mittelfristig nicht. Denn noch heute sind vielen Anwendern Domainendungen wie .biz zumindest suspekt und das nach über 11 Jahren! Type-Ins (also direkt vollständig eingetippte Domains) sind außerhalb von .de und vielleicht noch .com sowieso die absolute Ausnahme. So müssen etwa die Anbieter der .info-Domainendung beispielsweise enorme Summen für Marketingzwecke aufwenden, um echte, gute Webseiten mit .info überhaupt zu finden und deren Verbreitung zu stärken.
Viele wissen nicht einmal, dass es seit 2005 Domainendungen wie .jobs, .cat oder .travel gibt (registrierte Domains jeweils zwischen 25.000 und 50.000). Was sollen dann erst recht die vielen neuen Domainendungen? Bis auf wenige Endungen wird das Vertrauen und die Akzeptanz überschaubar bleiben.
Auch Suchmaschinen dürften den neuen Endungen zuerst verhalten gegenüber stehen. So ranken heute noch beispielsweise .biz-Domains nicht so schnell wie etwa eine .de-Domain.
Es gibt allerdings eine Ausnahme: wenn der gewünschte Name ansonsten schon fremdbelegt ist. Durch die vielen neuen Domainendungen sind auch viele umkämpfte Domainnamen wieder verfügbar. Die begehrten Keyword-Domains sind in großer Menge mit neuen Domainendungen wieder grundsätzlich registrierbar. Das kann sich lohnen. Wer also darauf hofft, sollte demnächst die weitere Entwicklung genau verfolgen.

Weiterlesen

Wer mehr über die Grundlagen wissen will, findet eine gute Zusammenfassung (PDF) auf Deutsch von der ICANN sowie häufige Fragen (PDF) mit Antworten.

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